Stoffwechsel · 6 Min. Lesezeit
Das Pasteurisierungs-Paradox: warum tote Bakterien besser wirkten als lebende
Vekovia · 22. Mai 2026

Es gibt ein Detail über Akkermansia muciniphila, das fast jeden überrascht, der es zum ersten Mal hört. In der Forschung wirkte die pasteurisierte Form — also hitzebehandelte, nicht lebende Bakterien — mindestens so gut wie die lebende, und in der Humanstudie sogar besser. Für eine Kategorie, die auf der Idee „lebender Kulturen“ aufgebaut ist, ist das erklärungsbedürftig.
Der Hinweis aus dem Labor
2017 machten sich Hubert Plovier und Kollegen daran zu verstehen, wie Akkermansia den Stoffwechsel verbessert. In adipösen und diabetischen Mäusen fanden sie, dass ein einzelnes Protein aus der äußeren Membran des Bakteriums — später als Amuc_1100 untersucht — einen Großteil des metabolischen Nutzens allein reproduzierte. Das pasteurisierte Bakterium wirkte mindestens so gut wie das lebende (Plovier et al., 2017).
Der Grund, warum das Abtöten durch Hitze nichts verdirbt, ist struktureller Natur. Wenn die aktive Komponente ein Protein ist, das an der Zelloberfläche sitzt, muss das Bakterium nicht leben, um es zu präsentieren. Die Pasteurisierung beendet die Lebensfähigkeit der Zellen und lässt diese Oberflächenproteine an Ort und Stelle. Man behält den Teil, auf den es ankommt. Was man verliert, ist die Unberechenbarkeit der Verabreichung eines lebenden Organismus — und das ist für etwas, das in einer Kapsel verkauft wird, keine Kleinigkeit.
Die erste Humanstudie
Zwei Jahre später wurde die Idee am Menschen getestet. Clara Depommier und Kollegen führten die erste Humanstudie zur Akkermansia-Supplementierung durch: 32 übergewichtige, insulinresistente Erwachsene nahmen drei Monate lang täglich lebende Akkermansia, pasteurisierte Akkermansia oder ein Placebo (Depommier et al., 2019).
Das primäre Ziel war die Sicherheit, und darin bestanden beide Formen: gut verträglich, keine signifikanten Nebenwirkungen. Die interessantere Geschichte erzählten die Stoffwechselmarker. Die Gruppe mit der pasteurisierten Form zeigte die deutlichsten Verbesserungen, unter anderem bei der Insulinsensitivität und mehreren Markern der Stoffwechselgesundheit, während sich die lebende Form nicht so klar vom Placebo absetzte.
Die regulatorische Konsequenz
Das ist die Grundlage dafür, wie Akkermansia in Europa legal verkauft wird. 2022 ließ die Europäische Union pasteurisierte Akkermansia muciniphila als neuartiges Lebensmittel (Novel Food) zu: die hitzebehandelte, nicht lebende Form — dieselbe, die Depommier und Kollegen untersucht hatten. Die lebende Form hält diese Zulassung als Nahrungsergänzungsmittel nicht.
Vekovia verwendet die pasteurisierte Form aus genau diesem Grund. Sie ist die Version mit den Humandaten dahinter — und die Version, die die Zulassung abdeckt. Vekovia · Heidelbeere wird damit hergestellt, wie jede andere Akkermansia-Kapsel des Sortiments.
Wo die Wissenschaft heute steht
Die Studie von 2019 war klein und explorativ, und ihre Autoren haben das offen gesagt. Die Arbeit ist seither weitergegangen. 2025 erweiterte eine größere, in Cell Metabolism veröffentlichte Studie die Forschung auf Menschen mit Typ-2-Diabetes (Zhang et al., 2025).
Das ist frühe Wissenschaft, und wir beschreiben sie, statt Ergebnisse aus ihr zu versprechen. Was das Pasteurisierungs-Paradox erzählenswert macht, ist, wie sauber es sich aufgelöst hat: Ein Mausexperiment sagte voraus, welche Form zählen würde — und die erste Humanstudie kam zum selben Ergebnis.
Quellen
- Plovier H et al. A purified membrane protein from Akkermansia muciniphila or the pasteurized bacterium improves metabolism in obese and diabetic mice. Nat Med 2017. PMID 27892954. DOI · PubMed
- Depommier C et al. Supplementation with Akkermansia muciniphila in overweight and obese human volunteers: a proof-of-concept exploratory study. Nat Med 2019. PMID 31263284. DOI · PubMed
- Zhang Y et al. Akkermansia muciniphila supplementation in patients with overweight/obese type 2 diabetes. Cell Metab 2025. PMID 39879980. DOI · PubMed